Start ins neue Schuljahr

Heute beginnt an unserer Schule das neue Schuljahr. Zehn Schüler im dritten Kurs werden mit mir als ihren Klassenlehrer vieles unternehmen, damit es ein gutes Jahr wird.

Einen Schokomuffin mit Kugelschreiber gab es für jeden zur Begrüßung

Ich freue mich auf diese Momente, auf spannende Herausforderungen, auf lustige Stunden. Besonders freue ich mich auf die Möglichkeiten, einige der Gedanken und Ideen der Lehrer aus dem #twitterlehrerzimmer umzusetzen. Ab diesem Jahr haben wir im ganzen Schulgebäude WLAN. Da eröffnen sich ganz andere Möglichkeiten. 2016 brachte ich für mein erstes kahoot! noch mein eigenes Internet mit, damit wir damit spielerisch Hausaufgabenkontrolle durchführen konnten. Heute kann ich das ohne großen Aufwand im hauseigenen Netz machen. Wunderbar. Es wird ein spannendes Jahr.

Schulanfang

Am 11. Februar geht es wieder mit der Schule los. Nach einigen Wochen Ferien und mehr Zeit mit der Familie beginnt ab kommenden Montag wieder Rhythmus und Routine.

Es waren gute Ferien, einige Projekte konnte ich abschließen, als Familie haben wir viel unternommen und besondere Momente erlebt.

Zum Abschluss dieser Ferien schlug meine Frau während dem Spazierengehen vor, doch etwas zu grillen. Einfach so. Und das haben wir dann auch gemacht. Es sind diese Momente, die Familie ausmachen. Spontan etwas gemeinsam unternehmen. In den kommenden Wochen und Monaten wird es dafür möglicherweise manchmal etwas weniger Raum geben – trotzdem wollen wir es nicht unversucht lassen.

Zwei leckere Steaks zum Schulanfang…

In den letzten Tagen hatten wir die Einführungstage in der Schule, wo wir als Kollegen in Form von Projekten und Arbeiten in das Jahr einsteigen. In diesem Jahr hatten wir eine strategische Planung, die hauptsächlich unter der Frage stattfand: Was läuft momentan an unserer Schule schon alles, um dem Motto „Leben ist Lernen – Lernen ist Leben“ und unserer Schulphilosophie gerecht zu werden und was können wir noch tun, um diese zu verwirklichen? In diesem Rahmen haben wir in kleineren Gruppen philosophiert und geträumt, wie wir Schule in den nächsten Jahren erleben und gestalten würden wollen. Es kamen spannende Ansätze dabei heraus: generationenübergreifender Unterricht (Senioren und Vorschulkindern ergänzen sich im Unterricht); modulartig den Unterricht gestalten; fachübergreifend Inhalte erarbeiten (es wurde sogar vorgeschlagen, Fächer ganz abzuschaffen und sämtliche Inhalte nur an realen Alltagssituationen durchzuarbeiten); stärker auf Kreativität wert legen; usw.

Für mich sind solche Momente wertvolle Zeiten. Ich genieße es, mit Kollegen zusammen über Schule zu reden, Ideen zu entwickeln, Träume in Worte zu fassen. Mir gibt es wieder neu Motivation für die tägliche Unterrichtsarbeit. Hilfreich ist für mich dabei, dass viele Kollegen und die Direktion an unserer Schule voll hinter solchen Ideen stehen. Wir wollen gemeinsam als Kollegium unsere Schule entwickeln. Wir wollen, dass Schule ein Ort ist, der als sinnvoll, unterstützend und hilfreich empfunden wird. Wo man sich mit Dingen beschäftigt, die tatsächlich etwas mit dem Leben zu tun haben. Denn Schule ist Teil des Lebens, Schule steht mitten im Leben. Für mich sind solche Tage mit den Kollegen deshalb sehr wertvoll. Und ich wünsche mir, dass einiges von dem, was wir in diesen Tagen gemeinsam geträumt haben, irgendwann auch Realität geworden ist. Es wird nicht alles auf einmal und in einem Jahr möglich sein. Aber ich wünsche mir, dass wir dran bleiben. Nicht aufgeben. Schule immer wieder neu denken, neu definieren. Ich bin gespannt, was sich noch alles entwickeln wird. Und ich genieße, was wir schon alles erleben dürfen.

Erinnern

Beiträge der Anwesenden auf die Frage, woran man einen Wiedertäufer erkannte bzw. erkennt.

Wer oder was ist ein Mennonit?

Jedes Jahr am 1. Februar feiert unsere kleine Stadt Neuland einen Tag lang, dass unsere Vorfahren am Ende des 2. Weltkrieges vom Kommunismus gerettet wurden und in Paraguay eine neue Heimat finden konnten.

Im vorigen Jahr habe ich im Dorf Gronau dazu einige Gedanken geäußert (damals ging es um die dreifache Herausforderung, vor der wir meines Erachtens als Mennoniten heute stehen: Politisch, Sozial, Individuell) und in diesem Jahr hatte ich das Vorrecht, in Tiege reden zu dürfen.

Ich bin relativ jung, ich kenne die Geschichten der älteren Leute gut – aber sie betreffen mein Leben nicht mehr direkt. Als junge Menschen haben wir es in der Hand, die Zukunft mitzugestalten. Aus diesem Grund möchte ich lieber darüber reden, was momentan ist und wo wir uns eventuell hin entwickeln oder hin entwickeln wollen, statt über die Vergangenheit zu reden. Dabei schätze ich es sehr, mit meiner Oma über die Zeit in Russland und den Anfangsjahren hier in Paraguay zu reden. Es war so eine andere Welt.

Aber wir leben heute. Und wir haben viel zu tun.

Ich habe zu Beginn der Rede in die Versammlung gefragt, woran man denn vor ca. 500 Jahren einen Wiedertäufer (aus dem dann später die Mennoniten entstanden) erkannt hat. Die Äußerungen habe ich auf eine Tafel geschrieben (siehe Bild oben). Es kamen tatsächlich die zwei Hauptmerkmale: Wiedertaufe (wie das Wort es ja schon verrät) und Wehrlosigkeit. Besonders die Wehrlosigkeit ist in meinen Augen ein sehr deutliches Unterscheidungsmerkmal der damaligen Wiedertäufer gewesen. Weil es etwas ganz „anderes“ war, als in der Zeit üblich. Man fiel auf damit.

Und da habe ich dann den Bogen geschlagen zur heutigen Zeit: Woran erkennt man heute in Paraguay einen Mennoniten? Ist es die Wehrlosigkeit? Nein, denn seit 1992 wird jedem Staatsbürger die Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen von der Verfassung her garantiert. Dieses Unterscheidungsmerkmal haben wir als Mennoniten also nicht mehr. Ich habe dann versucht deutlich zu machen, dass in meinen Augen ein mögliches Merkmal die Ehrlichkeit sein könnte. Wir leben in einem Land, dass einen gefühlten Korruptionsindex von ca. 30 aufweist. Korruption hat immer auch etwas mit Unehrlichkeit zu tun. Und ich meine, wenn wir uns auf unser christlich-täuferisches Erbe zurück besinnen, wollen wir gar nicht anders, als in allen Bereichen unseres Lebens ehrlich sein. Durch konsequentes Ehrlichsein ist man „anders“, man fällt auf. Ich glaube fest daran, dass diese Ehrlichkeit nicht immer einfach sein wird bzw. ist, aber dass sie uns und dem Land gut tut. Und ich bin zutiefst überzeugt davon, dass auch Gott es gut findet, wenn wir ehrlich sind.


Ihr sollt nicht stehlen noch lügen noch betrügerisch handeln einer mit dem andren.

Gott zum Volk Israel, 3. Mose 19,11

Ganz sicher kann aus einem grundsätzlich ehrlichem Verhalten großes für unser Land entstehen. Und ich habe den Zuhörern Mut gemacht, bei der Wahrheit zu bleiben – auch, wenn es manchmal etwas mehr kostet (Zeit, Geld oder gar Nerven). Ich bin ganz gespannt, was in den nächsten 15-30 Jahren in Paraguay passieren wird, wenn wir als Christen unserem Auftrag nachkommen, ein Licht für die Nächsten zu sein. Denn die letzten 50 Jahre haben gezeigt, dass viel großes dabei entstehen kann und das Land gesegnet wird. Beispiel: Der Christliche Dienst (heute: SerVoMe).

Ewigkeit und Zeit

Ein Jahr ist es nun her.

Heute waren wir als Kleinfamilie mit meiner Mutter auf dem Friedhof. Vor genau einem Jahr verstarb mein Vater an Krebs.

Es war ein intensives Jahr. Wir vermissen ihn. Das Leben geht weiter. Aber im Herzen bleibt er immer bei uns.

In solchen Momenten ist es für mich Trost und Hilfe, daran glauben zu dürfen, dass wir uns eines Tages in der Ewigkeit wiedersehen werden.


1 Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.
2 Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird.

Die Bibel, Römerbrief Kapitel 5

Politische Bildung

Samstag 09:00 Uhr und es ist fertig: Das zweite Projekt dieser Ferien ist vor Schulanfang komplett abgeschlossen.

Ich unterrichte neben Chemie, Biologie und Informatik auch Wirtschaft an unserer Schule. Im Fach Wirtschaft und Verwaltung in der Oberstufe kommen neben wirtschaftstheoretischen Inhalten auch politische Themen vor. Es geht darum, dass die Schüler nicht nur wirtschaftliches Denken, sondern auch politische Teilhabe entwickeln. Aus diesem Grund mache ich es schon seit einigen Jahren so, dass jeder Schüler mindestens einmal im Jahr einen Beitrag aus der aktuellen Tagespolitik präsentieren muss. Dazu muss man im Vorfeld Zeitung gelesen haben und sucht sich dann im Idealfall einen Fall aus, der tatsächlich Gewicht hat. Nicht immer kann man es als Schüler schaffen, weil man auch gar nicht den gesamten Überblick haben kann. Aber im Laufe dieser Jahr hat diese Arbeit dazu geführt, dass bei dem einen oder der anderen „Aha-Erlebnisse“ vorkamen.

In diesem Reader, den ich so gestaltet habe, dass er unterrichtsbegleitend eingesetzt und auch ausgefüllt wird, werden neben grundlegenden Dingen wie Gewaltenteilung, Parlament, Partei usw. auch ganz praktische und aktuelle Themen behandelt: z.B. wie wird man Senator in Paraguay, welche Rechte hat ein Arbeitnehmer laut aktuellem Arbeitsgesetz, wie viele Parteien sind momentan im Parlament vertreten, wer ist unser Bürgermeister, usw.

Ich bin gespannt, wie sich der Unterricht an diesem Material entlang entwickeln wird und freue mich vor allem darauf, dass die gröbste Vorbereitung nun im Vorfeld dafür abgeschlossen ist und ich während des Jahres mehr Zeit habe, um auf die wirklich aktuellen Fragen der Schüler intensiver eingehen zu können.

Voraussichtlich geht es in zwei Wochen schon mit dem Unterrichtsjahr los – dieses Material ist aber erst für das zweite Semester geplant. Zunächst wird die Einheit zum Genossenschaftswesen gebracht. Das Material dazu habe ich in den vergangenen Sommerferien erstellt und brauchte es in diesen Ferien nur geringfügig überarbeiten.

Projekt Löten und Logik

07. Januar 18:00 Uhr: Nach über einem Jahr ist die Projektbeschreibung für mein Wahlpflichtfach Informatik endlich fertig.

Ursprünglich hatte ich geplant, dieses Fach schon im Schuljahr 2018 anzubieten. Aus familiären Gründen musste ich das Projekt dann aber zunächst auf Eis legen. Für die Ferien hatte ich mir dann vorgenommen, als erstes an diesem Projekt zu arbeiten.

Ich freue mich auf das Fach: Wir werden löten, Schaltkreise am Computer zeichnen, Platinen ätzen und eigene Projekte entwerfen. Und wir werden programmieren. Was und in welcher Sprache? Nicht vorgegeben. Das Fach soll eine Einführung in die Welt der logischen Null und Eins sein. Es soll motivieren, sich mit der Programmierung auseinanderzusetzen. Und vor allem soll es zur Selbstständigkeit hin erziehen: In der immer digitaler werdenden Welt sollte man als aufgeklärter Bürger zumindest in Ansätzen verstehen, was ein Programm ist und wie ein Computer funktioniert.

Die Ergebnisse und Fortschritte werden möglicherweise auf diesem Blog sichtbar werden.

Nach vielen Stunden am Computer endlich fertig.

Halbzeit

Am 08. Februar begann für mich das erste volle Unterrichtsjahr. Ich darf Klassenlehrer der 11. Klasse sein und betrachte es als eine Herausforderung und Verantwortung.

Nun ist das 1. Semester abgeschlossen – liegt hinter uns und die erste Ferienwoche ist auch schon verflossen. Mein Vornehmen, die ersten drei Ferientage im Garten zu verbringen und nichts für die Schule zu tun, konnte ich umsetzen.

Doch seit Freitag sitze ich schon wieder am Schreibtisch und beschäftige mich mit Schule und Planung.

Wie war das 1. Semester? Welche Glücksmomente gab es? Worin möchte ich besser werden? Wie sieht das allgemeine Fazit aus?

Bei einer Klausurrückgabe pflege ich den Schülern die Aufgabe zu geben „Drücke in einem Wort deine Gedanken und Gefühle aus, die du …“ und hier kann dann das jeweilig passende eingesetzt werden. Sollte ich das vergangene Semester in einem Wort zusammenfassen, würde es ganz sicher das folgende sein:

abwechslungsreich

Die ersten Wochen gingen rasch vorbei, man lernte sich langsam kennen und auch einschätzen. Dann wurde unsere Tochter geboren und das ganze Leben drehte sich für einige Tage um ganz andere Dinge als Schule. Kurz darauf standen die ersten Hospitationen von Seiten der Direktion und Regionalleiterin an. Dazwischen waren immer wieder kleinere und größere Events, die organisiert und durchgeführt wurden. Schließlich endete das Semester mit einem Kinoabend in der Schule, zu welchem der Schülerrat uns als gesamte Schulgemeinschaft eingeladen hatte. Ein, wie ich finde, gelungener Abschluss des Semesters.

Allgemein hat das 1. Semester für die deutschen Schulen der Umgebung mit der Lehrertagung in Loma Plata (07.-09. Juli) abgeschlossen. Wir hatten in diesem Jahr ein hochaktuelles Thema: Medienkompetenz. Hierzu hat uns Paul John von der Universität Bielefeld in mehreren Vorträgen und Workshops beschrieben und gezeigt, was mit Medien (vor allem audio-visuellen) an der Schule mit einfachen Mitteln tatsächlich machbar ist. Auf jeden Fall war hier konkreter Input für den Schulalltag dabei. Hier geht es zum Blog seines Seminars „Vom Lesebuch zum Hörbuch“.

Es gab in diesem Semester viele Glücksmomente. Stunden, die man am Liebsten abspeichern möchte, um sich immer wieder an die strahlenden Augen oder das glückliche Gesicht des Schülers zu erinnern, wenn etwas verstanden wurde oder wenn eine Klausur besser ausgefallen war als gedacht. Glück ist für mich auch das Kollegium meiner Schule: Wir sind viele junge Lehrkräfte, unser Direktor ist unter 50. Und es herrscht ein positives Arbeitsklima in dieser Gemeinschaft. Als Novize wird einem unter die Arme gegriffen, man erhält mutmachende Zusprüche und konkrete Hilfe der anderen. So etwas tut gut.

Tafelbild

Tafelbild meiner 11. Klasse zur Geburt unserer Tochter.

Als handfeste Glücksmomente folgende Erlebnisse: Ich unterrichte in der Grundschule Naturkunde. Im Rahmen der Konstruktion einer Kräuterspirale wollte ich das Präsentieren und die Bewertung einer Präsentation üben. Die Bewertungskriterien ließ ich von den Schülern selbst entwickeln. Dieses klappte mit der Lerngruppe sehr gut: Sie haben zunächst in Gruppen darüber diskutiert, welches sinnvolle Kriterien sein könnten und haben diese aufgeschrieben. Diese habe ich dann alle an die Tafel gebracht. Als Gruppe sollten sie sich nun auf die für sie wichtigsten 6 einigen. Es kamen durch diesen Prozess Kriterien zustande, die ich auch so vorgeben hätte – aber eben nicht habe. So ein Erlebnis bestärkt in der Annahme, dass Schüler zu viel mehr fähig sind, als man gelegentlich annimmt. Ich wünsche mir für die Zukunft, ihnen noch mehr Freiraum zur Entwicklung und Entfaltung geben zu können.

Spirale

Tilo falso (Heteropterys angustifolia) an eine der Kräuterspiralen.

Ein weiteres Erlebnis spielt auch in der Grundschule: Ich hatte in einer sehr heterogenen Klasse Besuch vom Direktor. Ich kann in dieser Klasse nicht ohne Differenzierung arbeiten – es geht mit so vielen Schülern nur mit. Also hab ich das auch in der Besuchsstunde getan. Es gab nachher in der Besprechung einen konkreten, hilfreichen Tipp, wie man eine bestimmte Aufgabe anders hätte gestalten könnte. Ansonsten kam nur: „Topp – genauso wollen wir arbeiten.“ Nach so einer Besprechung geht man um einiges motivierter in die Arbeit.

Besser werden möchte ich vor allem in der Sprechweise: Ich kämpfe momentan arg damit, dass ich nach fünf Unterrichtsstunden am Stück keine Stimme mehr habe. Daran muss ich noch arbeiten und ich hoffe, dass ich es in den Griff bekomme.

Für ein Fazit ist es möglicherweise noch ein wenig früh – aber so viel sei gesagt: Die Arbeit macht Freude. Ich freue mich auf das 2. Semester.

Ferien
Ferienzeit – Zeit an der Feuerstelle

Ankunft zu Hause und Vorbereitung auf das kommende Schuljahr

Nachdem die Abschlussarbeit in Jena Anfang Juli abgeben werden konnte und das Studium zum 30.09.2014 erfolgreich abgeschlossen war, sind wir nach Hause geflogen. Wir hatten einen guten Flug und sind wohlbehalten im Chaco angekommen.

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Nach 12 Std. Flug Ankunft in Paraguay.

Nun bin ich schon wieder gute 3,5 Monate zu Hause und habe neben der anfallenden Arbeit an Haus und Garten viel für das kommende Schuljahr erledigt. Es wird eine spannende Herausforderung: Neben Chemie und Wirtschaft sind auch noch Naturkunde und Geschichte sowie Religion als zu unterrichtende Fächer hinzugekommen. Ich bin mit den Jahresplänen nun soweit einmal durch: Für jedes Fach und jede Klasse ist mal mehr, mal weniger akribisch genau geplant, was im laufenden Schuljahr erarbeitet werden soll.

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Nach vielen Stunden endlich das letzte Fach durchgestrichen.

Neben klassisch geführtem Unterricht möchte ich gerne einiges von dem umsetzen, was wir im Studium sowohl im Grundschullehramt als auch an der Universität gelernt haben. Konkret möchte ich z.B. in der Grundschule den Unterricht dahin gehend öffnen, dass die Schüler eine Art Lerntagebuch führen und sich bewusst werden, was sie gelernt bzw. erarbeitet haben.

Dann möchte ich in einer Klasse Lernvideos erstellen lassen. Ich habe im Studium gemerkt, dass ich selbst und auch viele meiner Studienkollegen viel mit Videos gelernt haben. youtube gehört für einen großen Teil der Schüler zu ihrem Alltag. Ich gehe davon aus, dass sich für diese Art der Erarbeitung eines Inhaltes die Schülerinnen und Schüler möglicherweise stärker begeistern lassen werden, als für das stumpfe Erarbeiten von Fakten mit dem Schulbuch. Sehr hilfreich fand ich deshalb vor einigen Tagen den Beitrag von Andreas Kalt, der beschreibt, wie er vorgegangen ist, als er mit Schülern Lernvideos im Unterricht erstellt hat.

Da es mein erstes volles Unterrichtsjahr an dieser Schule ist, weiß ich noch nicht genau, wie viel Zeit ich währenddessen noch haben werde. Sollte es aber möglich sein, werde ich über den Erfolg nicht Nicht-Erfolg dieses Projektes an dieser Stelle etwas mitteilen.

Meinen iMac habe ich leider in Jena verkaufen müssen, weil er einfach nicht ins Gepäck gepasst hat. Nun arbeite ich zunächst erst einmal mit Linux (ubuntu 14.04) weiter. Das Ziel, meinen Unterricht so digital wie möglich zu halten und den Papierverbrauch so gering wie möglich, habe ich immer noch vor Augen. Ich möchte irgendwann dahin kommen, dass ich mit Andreas Hofmann sprechen kann: „Außer beim Schreiben von Klassenarbeiten bewege ich kein Papier mehr. Gar keins.“

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Symbolbild: Endlich wieder zu Hause angekommen.

pdf-Dokumente online und kollaborativ annotieren

Angeregt durch ein gutes und interessantes webinar heute Abend bin ich auf das Tool nb(notabene) vom MIT gestoßen.

Das Tool kann (nur) Notizen in pdf-Dokumente einfügen – das aber richtig gut.

Als Lehrer hat man die Möglichkeit, eine Klasse zu erstellen und in dieser Klasse z.B. ein Dokument hochzuladen (beispielsweise einen Info-Text). Diesen Text lesen die Schüler nun und zum Text gibt es jeweils Fragen, welche die Schüler beantworten sollen.

Man kann das Tool aber auch wunderbar im Kollegium einsetzen z.B. wenn es darum geht, Sitzungsprotokolle zu überarbeiten. Man fertigt ein Protokoll an, exportiert es als pdf, legt es in den „Raum“ Lehrerzimmer ab, und bis zum nächsten Sitzungstermin hat jeder die Möglichkeit, Anmerkungen und Änderungsvorschläge zu notieren.

Wie ich finde, ein direkter und hilfreicher Schritt in Richtung Reduktion von Papier im Schulalltag.

Zur Benutzung an und für sich werde ich nicht viel schreiben, das Tool erklärt sich fast von selbst und wer, wie ich, eine video-basierte Erklärung braucht, findet unter folgenden Link ein gut gemachtes, hilfreiches Video.

Ich habe es jetzt mal in meiner Seminargruppe im Studium eingesetzt. Die Dokumente, die wir bearbeiten sollen, sind hochgeladen. Die Mitstudenten sind eingeladen (sie haben eine Einladungsmail bekommen). Falls sich eine fruchtbare Arbeit entwickelt, werde ich darüber berichten.

Herzlichen Dank an Uwe Klemm für das webinar und die Anregung!

Lust am Lernen – Lust am Job

Bob Blume (Link) eröffnete eine Blogparade zur Frage der „Lernlust“: Was an Projekten, Stunden und gemeinsamen Lernen in Erinnerung geblieben ist.

Nachdem ich 12 Schuljahre, 3 Jahre Grundschullehramt und nun fast 5 Jahre Lehramt für Gymnasium erfolgreich bestanden habe, passt die Frage eigentlich recht gut zur momentanen Lebenssituation: darüber nachzudenken, was man nach dem 1. Staatsexamen tatsächlich erreichen möchte.

Ich weiß, dass ich mich auf meinen ersten Schultag gefreut habe – ich weiß heute noch, neben wen ich gesessen habe. Die Klassenlehrerin hatte jeden Namen auf kleine, weiße Pappstücke mit grünen, kleinen Kreisen (es sollte wohl ein Auto darstellen) geschrieben und ich weiß, dass ich meinen Namen relativ schnell gefunden habe. Obwohl ich mich nicht erinnern kann, dass ich je vor der Schulzeit gelesen oder geschrieben habe.

Mir ist es ähnlich wie Herrn Mess ergangen: auch ich habe das in-die-Schule-gehen immer als meinen Job angesehen. Und weil unser Vater immer früh raus ist und uns ein hartes Arbeitsleben vorgelebt hat, wollte ich das nachmachen. Es hat sehr oft Spaß gemacht, weil es ein erfüllendes Arbeitsleben war.

Lehrer

Ich hatte gute Lehrer, richtig gute! Da ist zum Einen die Lehrerin der 1. und 2. Klasse. Sie verstand es auf hervorragende Art und Weise, uns mit „Fara und Fu“ (ja, die hatten wir in Paraguay Anfang der 90er Jahre noch 🙂 ) das Alphabet und somit das Lesen und das Schreiben beizubringen. Sie ist mit der Hauptgrund dafür, dass ich heute selbst Lehrer bin (ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle, sie wird es vielleicht nie lesen – aber trotzdem 🙂 ).

Beeindruckt haben mich an meiner Schule die Lehrer, die ihr Studium im Ausland (vornehmlich Deutschland) gemacht hatten.

Da war der Philosophie- und Deutschlehrer. Eigentlich hatte er Lehramt auf Deutsch und Religion studiert, aber da wohl kein ausgebildeter Lehrer für Philosophie gefunden werden konnte, unterrichtete er auch Philo. Es war herrlich.

Eine Anekdote dazu: Unsere Schule lag mitten im Busch und in Paraguay ist es in der Regel sehr heiß. Die Klassenzimmer besitzen zwar große Fenster und Ventilatoren (heute haben sie alle „Air Condition“), aber es war trotzdem oft sehr heiß in den Zimmern. Wir haben also sämtliche Lehrer immer wieder mit der Frage gelöchert, ob wir nicht mal raus in den Schatten unter die Bäume gehen und auf den Bänken Unterricht haben könnten. Für Gruppenarbeiten und Stillarbeiten wurde dieses auch sehr oft gemacht – der Philolehrer hat von dieser Möglichkeit aber konsequent und aus Prinzip nie Gebrauch gemacht. Nun war es aber doch an einem Tag so, dass er über seinen Schatten sprang und wir nach draußen gingen. Ich kann mich noch heute an sein Gesicht erinnern, als es urplötzlich anfing zu regnen und wir alle unser Philosophiebuch als „Schirm“ benutzt haben und zurück in die Klasse gerannt sind. Er hat nie wieder Unterricht außerhalb des Klassenzimmers gehalten. 🙂

Dann war da der Biolehrer. Auch er hatte sein Studium in Deutschland gemacht – und er war jung, als ich ihn als Lehrer hatte. Er hat mich unglaublich motiviert. Sowohl in der Schulzeit, wo er mein Lehrer war, als auch später in der Grundschullehrerausbildung, wo er mein Dozent für Allgemeine und Biologiedidaktik war. Er war später in meiner Praktikumsphase mein Direktor und wir haben uns auch persönlich sehr gut verstanden. Mit ihm konnten wir im Unterricht endlich mal richtig diskutieren und alles hinterfragen. Es ist typisch für die Gemeinschaft, aus der ich komme, dass viele Dinge nicht in Frage gestellt, sondern als gegeben hingenommen werden. Im Zusammenleben kleiner, geschlossener Gesellschaften kann das bestimmt von Vorteil sein. Wenn man sich aber öffnet und die Welt (über Internet) Einzug in die Gemeinschaft hält, ist es zwingend notwendig, sich mit ihr auseinanderzusetzen und seine eigene Position begründen zu können. Das hat er von uns verlangt! Auch an ihn ein herzliches Dankeschön von dieser Stelle aus (hier besteht eher die Wahrscheinlichkeit, dass er es mal lesen wird).

Methoden

Wir hatten keinen abwechslungsreichen Unterricht. Gerade meine Grundschulzeit war geprägt von den Methoden der „alten“ Schule – und wir haben uns nicht wirklich daran gestört.

Wo ich dann mit der Ausbildung zum Grundschullehrer angefangen habe, lernte man viele „neue“ Methoden kennen – zumindest theoretisch. Wir haben viele Bücher von Hilbert Meyer, von Klippert, von Klafki, von Dietrich usw. gelesen und uns viele Methodensammlungen angeguckt und gestaunt, was es alles an Methoden und Möglichkeiten gibt. Natürlich wollten wir am Liebsten im nächsten Praktikum sämtliche Methoden mindestens einmal anwenden und ausprobieren. Diese Möglichkeit empfand ich als äußerst bereichernd: Diese Möglichkeit, während der Ausbildung „auszuprobieren“, was man kann und was man noch nicht kann. Und letzteres im Auswertungsgespräch recht deutlich gesagt zu bekommen. 😉

Ich durfte hier sehr deutlich lernen, dass Methode noch keinen Unterricht macht – dass sie aber sehr viel dazu beitragen kann, damit gut geplanter Unterricht erfolgreich wird.

Fazit

Der Beitrag ist viel länger geworden, als ich gedacht habe – und man könnte noch so viel mehr sagen.

Schule ist so ein großes, spannendes Thema. Die Lernlust, die ich in der ersten Klasse gespürt habe, ist auch im Jahr 2015, mehr als 20 Jahre danach, nur noch größer geworden. Meine Frau kann ein Lied davon singen 🙂 wenn ich nach einem langen Arbeitstag am Schreibtisch abends noch einmal 2 Stunden Dokus über Schule oder Lernen auf youtube angucken kann… 😀

Ich weiß, dass es idealistisch ist, anzunehmen, dass alle Schüler die gleiche Lust am Lernen entwickeln werden – deshalb ist das auch überhaupt nicht mein Ziel.

Mein Ziel ist es, mit meiner Arbeitshaltung (und dazu gehört einfach, den Unterricht geplant zu haben und vorbereitet zu sein) meine Schüler zum Mitarbeiten und Mitdenken zu motivieren. Mehr nicht. Aber das ist ja auch schon viel. Und ich will mir meine Lernlust erhalten.