Erinnern

Beiträge der Anwesenden auf die Frage, woran man einen Wiedertäufer erkannte bzw. erkennt.

Wer oder was ist ein Mennonit?

Jedes Jahr am 1. Februar feiert unsere kleine Stadt Neuland einen Tag lang, dass unsere Vorfahren am Ende des 2. Weltkrieges vom Kommunismus gerettet wurden und in Paraguay eine neue Heimat finden konnten.

Im vorigen Jahr habe ich im Dorf Gronau dazu einige Gedanken geäußert (damals ging es um die dreifache Herausforderung, vor der wir meines Erachtens als Mennoniten heute stehen: Politisch, Sozial, Individuell) und in diesem Jahr hatte ich das Vorrecht, in Tiege reden zu dürfen.

Ich bin relativ jung, ich kenne die Geschichten der älteren Leute gut – aber sie betreffen mein Leben nicht mehr direkt. Als junge Menschen haben wir es in der Hand, die Zukunft mitzugestalten. Aus diesem Grund möchte ich lieber darüber reden, was momentan ist und wo wir uns eventuell hin entwickeln oder hin entwickeln wollen, statt über die Vergangenheit zu reden. Dabei schätze ich es sehr, mit meiner Oma über die Zeit in Russland und den Anfangsjahren hier in Paraguay zu reden. Es war so eine andere Welt.

Aber wir leben heute. Und wir haben viel zu tun.

Ich habe zu Beginn der Rede in die Versammlung gefragt, woran man denn vor ca. 500 Jahren einen Wiedertäufer (aus dem dann später die Mennoniten entstanden) erkannt hat. Die Äußerungen habe ich auf eine Tafel geschrieben (siehe Bild oben). Es kamen tatsächlich die zwei Hauptmerkmale: Wiedertaufe (wie das Wort es ja schon verrät) und Wehrlosigkeit. Besonders die Wehrlosigkeit ist in meinen Augen ein sehr deutliches Unterscheidungsmerkmal der damaligen Wiedertäufer gewesen. Weil es etwas ganz „anderes“ war, als in der Zeit üblich. Man fiel auf damit.

Und da habe ich dann den Bogen geschlagen zur heutigen Zeit: Woran erkennt man heute in Paraguay einen Mennoniten? Ist es die Wehrlosigkeit? Nein, denn seit 1992 wird jedem Staatsbürger die Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen von der Verfassung her garantiert. Dieses Unterscheidungsmerkmal haben wir als Mennoniten also nicht mehr. Ich habe dann versucht deutlich zu machen, dass in meinen Augen ein mögliches Merkmal die Ehrlichkeit sein könnte. Wir leben in einem Land, dass einen gefühlten Korruptionsindex von ca. 30 aufweist. Korruption hat immer auch etwas mit Unehrlichkeit zu tun. Und ich meine, wenn wir uns auf unser christlich-täuferisches Erbe zurück besinnen, wollen wir gar nicht anders, als in allen Bereichen unseres Lebens ehrlich sein. Durch konsequentes Ehrlichsein ist man „anders“, man fällt auf. Ich glaube fest daran, dass diese Ehrlichkeit nicht immer einfach sein wird bzw. ist, aber dass sie uns und dem Land gut tut. Und ich bin zutiefst überzeugt davon, dass auch Gott es gut findet, wenn wir ehrlich sind.


Ihr sollt nicht stehlen noch lügen noch betrügerisch handeln einer mit dem andren.

Gott zum Volk Israel, 3. Mose 19,11

Ganz sicher kann aus einem grundsätzlich ehrlichem Verhalten großes für unser Land entstehen. Und ich habe den Zuhörern Mut gemacht, bei der Wahrheit zu bleiben – auch, wenn es manchmal etwas mehr kostet (Zeit, Geld oder gar Nerven). Ich bin ganz gespannt, was in den nächsten 15-30 Jahren in Paraguay passieren wird, wenn wir als Christen unserem Auftrag nachkommen, ein Licht für die Nächsten zu sein. Denn die letzten 50 Jahre haben gezeigt, dass viel großes dabei entstehen kann und das Land gesegnet wird. Beispiel: Der Christliche Dienst (heute: SerVoMe).

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