Fächerübergreifendes Lernen

Die momentane Situation *) bietet sich ja förmlich dazu an, über das aktuelle System Schule kritisch nachzudenken und alternative Ansätze auszuprobieren.

In der Oberstufe klappt das Unterrichten über ZOOM und mit dem iPad als Tafelersatz bisher verhältnismäßig gut – unersetzlich bleibt natürlich der direkte und persönliche Kontakt mit den Schüler:innen.

Im Moment ist es so, dass die Schülerinnen und Schüler seit über 11 Wochen zu Hause sind und ihre Aufgaben unter der Aufsicht ihrer Eltern erledigen müssen. Viele dieser Aufgaben haben von der Intention der Lehrkräfte her natürlich den Anspruch, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder zu entwickeln und zu fördern – praktisch sieht es aber wohl oft so aus, dass die Aufgaben in Form eines Arbeitsblattes zum Kind kommen, dieses Blatt mehr oder weniger gut ausgefüllt und zurück geschickt wird und dann vom Lehrer kontrolliert und eventuell wieder eingereicht oder aber abgeheftet wird. Der effektive Lernzuwachs, sprich: die Entwicklung von Kompetenzen wird in dieser Form wohl eher wenig hoch sein.

Das führte mich zu der Frage:

Wie können wir die momentane Situation sinnvoll und effektiv nutzen, um Schule nicht nur neu zu denken, sondern auch tatsächlich anders zu gestalten?

Aufgrund der Situation müssen wir ja eh anders vorgehen – warum dann nicht gleich so, dass es nachhaltig ist und auch für alle hilfreich und produktiv?

Also habe ich mir die Arbeit gemacht, einzelne Kolleg:innen anzurufen und ihnen von meinen Gedanken erzählt. Schon nach den ersten Gesprächen wurde klar, dass sich diese Idee wohl am besten in den Klassenstufen 7-9 umsetzen lassen würden: Die Oberstufe fährt ganz gut mit ihrem LMS, die meisten Kolleg:innen haben sich da gut arrangiert und vor allem die Schüler:innen profitieren von diesem System, weil es ihrem Wunsch nach selbstbestimmten Lernen nur entgegenkommt (auch wenn der eine oder die andere von den Möglichkeiten, sich seinen Tagesplan und seine Arbeit selbst einzuteilen manchmal überfordert ist). In der Grundschule wird aufgrund der Tatsache, dass die Fächer alle gebündelt von den Klassenlehrer:innen organisiert und verteilt werden und in den meisten Fällen die Parallelklassen zusammenarbeiten, sowieso schon dahin gearbeitet, die Aufgaben fächerübergreifend, sinnvoll und auch so bewertungsfreundlich wie möglich zu formulieren.

In den Klassen 7-9 haben wir außerdem zwei Faktoren, die sich mit dieser Form der Arbeit eventuell ändern würden: Einerseits sind die Schüler:innen in dieser Altersstufe schon mit vielen verschiedenen Lehrer:innen und Fächern konfrontiert, vielfach aber noch nicht so weit in der Fähigkeit fortgeschritten, sich ihren Lernplan selbstständig zu organisieren, so dass sie oft einfach überfordert von der Fülle der Aufgaben und Termine sind (und mit ihnen oft auch ihre Eltern). Andererseits ist gerade die befürchtete Lernunlust in diesen Klassenstufen am Höchsten: Die Grundschüler:innen sind noch verhältnismäßig einfach zu motivieren, an irgendwelchen Aufgaben zu arbeiten, die Oberstufenschüler:innen erhalten komplexere, herausforderndere Arbeiten und arbeiten größtenteils eigenständig daran – aber gerade in der 7. bis 9. Klasse ist die Sinnfrage sehr entscheidend, um sich überhaupt zur Bearbeitung von den Aufgaben zu kriegen: „Warum müssen wir dieses machen? Wozu brauche ich das überhaupt?“ sind legitime Fragen und sollten beantwortet werden.

Daher meine Idee an die betreffenden Lehrer:innen: Lasst uns mal eine virtuelle Gesprächsrunde gestalten und unverbindlich darüber reden, ob und wie wir es schaffen könnten, den zu vermittelnden Unterrichtsstoff und die zu entwickelnden Kompetenzen so zu gestalten, dass die Schüler:innen in der Bearbeitung der Aufgaben auch tatsächlich einen Sinn sehen und wir nachweislich auch Fähigkeiten und Kompetenzen entwickeln. Schließlich wünschen wir uns alle, dass die Schüler:innen in dieser Zeit, so schwierig und herausfordernd sie ja auch ist, effektiv und real etwas „gelernt“ haben, was sie in den nächsten Jahren brauchen werden – und sei es nur, dass sie sauber und ordentlich in ihr Heft schreiben, flüssig lesen und den Satz des Pythagoras gelernt haben.

Sechs Kolleg:innen haben zugesagt: Mathematik, Spanisch, Guaraní, Geschichte und Biologie sind die Fächer, mit welchen wir jetzt anfangen werden.

Ich habe, nachdem alle Kolleg:innen zugesagt haben, zumindest an dem Gespräch interessiert zu sein, eine WhatsApp-Gruppe erstellt, in welche ich eine etwas umfassendere Erklärung der Absicht und Idee in spanischer Sprache eingestellt habe (weil ein Teil unserer Kolleg:innen nicht deutsch sprechen). Außerdem habe ich eine Doodle-Umfrage zur Terminfindung erstellt, um so demokratisch und fair einen Termin zu finden, der hoffentlich allen passt.

Im ersten Gespräch, in der ersten Runde soll es dann darum gehen, zunächst erst einmal das Konzept und die Idee an und für sich zu entwickeln.

Eine Möglichkeit wäre, an einem gemeinsamen Thema, z.B. Unser Garten, die unterschiedlichen Fächer daran zu beteiligen und zu gucken, wie man einzelne geforderten Inhalte und Kompetenzen damit fächerübergreifend entwickeln könnte.

Prinzipiell müsste sich nicht einmal unbedingt sehr viel an der bisher funktionierenden Form (Aufgaben werden vom Fachlehrer erstellt und an die Schüler weitergeleitet, werden von den Schülern bearbeitet und vom Lehrer korrigiert und wieder zurück geschickt) ändern – aber dadurch, dass alle Aufgaben und Fächer den gleichen Bezug, nämlich den Garten, hätten, wäre für die Kinder mehr Struktur und vielleicht auch mehr Sinn in dem Ganzen. Zusätzlich würde sich eine hervorragende Möglichkeit des fächerübergreifenden Lernens anbieten: Wenn beispielsweise ein Inhalt in Biologie erarbeitet und nur wiedergegeben werden soll, was man verstanden hat, könnte man die Wiedergabe dieses Inhalts in spanischer Sprache machen lassen – und dabei würde die Spanischlehrerin dann nicht den biologischen Inhalt kontrollieren, sondern auf die vorher festgelegten Kriterien (z.B. klare Aussprache, korrekte Grammatik, usw.) gucken und das Gesprochene daraufhin bewerten – während vom Biologielehrer im Vorfeld kontrolliert wurde, ob der Inhalt korrekt zusammengefasst wurde (und weil alle spanisch können, könnte es gleich in der Sprache kontrolliert werden).

In einem weiteren Schritt würden wir als Kolleg:innen, die wir nun üben, gemeinsam Unterricht vorzubereiten und vernetzt zu arbeiten, Software und Tools kennenlernen und einsetzen. Nachdem wir das untereinander geübt und gelernt hätten, würden wir das auf die Schüler ausweiten und würden somit nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch technische Fähigkeiten entwickeln – aber nicht im luftleeren Raum, sondern direkt an einem konkreten Inhalt, der für die Schüler:innen auch Sinn macht.


*) zur Erklärung: In Paraguay wurden am 11. März die Schule geschlossen, weil die Gefahr der Ausbreitung des Corona-Virus als sehr hoch eingestuft wurde. Aus der Schulschließung wurde nach einiger Zeit eine vollständige Quarantäne für alle Bewohner des Landes. Mittlerweile (22.05.2020) befinden wir uns in der sogenannten „Intelligenten Quarantäne“ – das heißt, dass gewisse Bereiche des öffentlichen Lebens wieder fast normal funktionieren dürfen. Die Schule bleibt, nach Aussagen des Ministers, für das gesamte Schuljahr geschlossen. Es ist ein Plan ausgearbeitet worden, wie die Wochen bis Schulschluss am 30. November gestaltet werden sollen. Die Entscheidungen und Veränderungen waren bisher immer sehr spontan und kurzfristig – es ist also durchaus anzunehmen, dass wir eventuell doch noch im Laufe des Jahres wieder Präsenzunterricht abhalten werden.

Start ins neue Schuljahr

Heute beginnt an unserer Schule das neue Schuljahr. Zehn Schüler im dritten Kurs werden mit mir als ihren Klassenlehrer vieles unternehmen, damit es ein gutes Jahr wird.

Einen Schokomuffin mit Kugelschreiber gab es für jeden zur Begrüßung

Ich freue mich auf diese Momente, auf spannende Herausforderungen, auf lustige Stunden. Besonders freue ich mich auf die Möglichkeiten, einige der Gedanken und Ideen der Lehrer aus dem #twitterlehrerzimmer umzusetzen. Ab diesem Jahr haben wir im ganzen Schulgebäude WLAN. Da eröffnen sich ganz andere Möglichkeiten. 2016 brachte ich für mein erstes kahoot! noch mein eigenes Internet mit, damit wir damit spielerisch Hausaufgabenkontrolle durchführen konnten. Heute kann ich das ohne großen Aufwand im hauseigenen Netz machen. Wunderbar. Es wird ein spannendes Jahr.

Schulanfang

Am 11. Februar geht es wieder mit der Schule los. Nach einigen Wochen Ferien und mehr Zeit mit der Familie beginnt ab kommenden Montag wieder Rhythmus und Routine.

Es waren gute Ferien, einige Projekte konnte ich abschließen, als Familie haben wir viel unternommen und besondere Momente erlebt.

Zum Abschluss dieser Ferien schlug meine Frau während dem Spazierengehen vor, doch etwas zu grillen. Einfach so. Und das haben wir dann auch gemacht. Es sind diese Momente, die Familie ausmachen. Spontan etwas gemeinsam unternehmen. In den kommenden Wochen und Monaten wird es dafür möglicherweise manchmal etwas weniger Raum geben – trotzdem wollen wir es nicht unversucht lassen.

Zwei leckere Steaks zum Schulanfang…

In den letzten Tagen hatten wir die Einführungstage in der Schule, wo wir als Kollegen in Form von Projekten und Arbeiten in das Jahr einsteigen. In diesem Jahr hatten wir eine strategische Planung, die hauptsächlich unter der Frage stattfand: Was läuft momentan an unserer Schule schon alles, um dem Motto „Leben ist Lernen – Lernen ist Leben“ und unserer Schulphilosophie gerecht zu werden und was können wir noch tun, um diese zu verwirklichen? In diesem Rahmen haben wir in kleineren Gruppen philosophiert und geträumt, wie wir Schule in den nächsten Jahren erleben und gestalten würden wollen. Es kamen spannende Ansätze dabei heraus: generationenübergreifender Unterricht (Senioren und Vorschulkindern ergänzen sich im Unterricht); modulartig den Unterricht gestalten; fachübergreifend Inhalte erarbeiten (es wurde sogar vorgeschlagen, Fächer ganz abzuschaffen und sämtliche Inhalte nur an realen Alltagssituationen durchzuarbeiten); stärker auf Kreativität wert legen; usw.

Für mich sind solche Momente wertvolle Zeiten. Ich genieße es, mit Kollegen zusammen über Schule zu reden, Ideen zu entwickeln, Träume in Worte zu fassen. Mir gibt es wieder neu Motivation für die tägliche Unterrichtsarbeit. Hilfreich ist für mich dabei, dass viele Kollegen und die Direktion an unserer Schule voll hinter solchen Ideen stehen. Wir wollen gemeinsam als Kollegium unsere Schule entwickeln. Wir wollen, dass Schule ein Ort ist, der als sinnvoll, unterstützend und hilfreich empfunden wird. Wo man sich mit Dingen beschäftigt, die tatsächlich etwas mit dem Leben zu tun haben. Denn Schule ist Teil des Lebens, Schule steht mitten im Leben. Für mich sind solche Tage mit den Kollegen deshalb sehr wertvoll. Und ich wünsche mir, dass einiges von dem, was wir in diesen Tagen gemeinsam geträumt haben, irgendwann auch Realität geworden ist. Es wird nicht alles auf einmal und in einem Jahr möglich sein. Aber ich wünsche mir, dass wir dran bleiben. Nicht aufgeben. Schule immer wieder neu denken, neu definieren. Ich bin gespannt, was sich noch alles entwickeln wird. Und ich genieße, was wir schon alles erleben dürfen.

Politische Bildung

Samstag 09:00 Uhr und es ist fertig: Das zweite Projekt dieser Ferien ist vor Schulanfang komplett abgeschlossen.

Ich unterrichte neben Chemie, Biologie und Informatik auch Wirtschaft an unserer Schule. Im Fach Wirtschaft und Verwaltung in der Oberstufe kommen neben wirtschaftstheoretischen Inhalten auch politische Themen vor. Es geht darum, dass die Schüler nicht nur wirtschaftliches Denken, sondern auch politische Teilhabe entwickeln. Aus diesem Grund mache ich es schon seit einigen Jahren so, dass jeder Schüler mindestens einmal im Jahr einen Beitrag aus der aktuellen Tagespolitik präsentieren muss. Dazu muss man im Vorfeld Zeitung gelesen haben und sucht sich dann im Idealfall einen Fall aus, der tatsächlich Gewicht hat. Nicht immer kann man es als Schüler schaffen, weil man auch gar nicht den gesamten Überblick haben kann. Aber im Laufe dieser Jahr hat diese Arbeit dazu geführt, dass bei dem einen oder der anderen „Aha-Erlebnisse“ vorkamen.

In diesem Reader, den ich so gestaltet habe, dass er unterrichtsbegleitend eingesetzt und auch ausgefüllt wird, werden neben grundlegenden Dingen wie Gewaltenteilung, Parlament, Partei usw. auch ganz praktische und aktuelle Themen behandelt: z.B. wie wird man Senator in Paraguay, welche Rechte hat ein Arbeitnehmer laut aktuellem Arbeitsgesetz, wie viele Parteien sind momentan im Parlament vertreten, wer ist unser Bürgermeister, usw.

Ich bin gespannt, wie sich der Unterricht an diesem Material entlang entwickeln wird und freue mich vor allem darauf, dass die gröbste Vorbereitung nun im Vorfeld dafür abgeschlossen ist und ich während des Jahres mehr Zeit habe, um auf die wirklich aktuellen Fragen der Schüler intensiver eingehen zu können.

Voraussichtlich geht es in zwei Wochen schon mit dem Unterrichtsjahr los – dieses Material ist aber erst für das zweite Semester geplant. Zunächst wird die Einheit zum Genossenschaftswesen gebracht. Das Material dazu habe ich in den vergangenen Sommerferien erstellt und brauchte es in diesen Ferien nur geringfügig überarbeiten.

Projekt Löten und Logik

07. Januar 18:00 Uhr: Nach über einem Jahr ist die Projektbeschreibung für mein Wahlpflichtfach Informatik endlich fertig.

Ursprünglich hatte ich geplant, dieses Fach schon im Schuljahr 2018 anzubieten. Aus familiären Gründen musste ich das Projekt dann aber zunächst auf Eis legen. Für die Ferien hatte ich mir dann vorgenommen, als erstes an diesem Projekt zu arbeiten.

Ich freue mich auf das Fach: Wir werden löten, Schaltkreise am Computer zeichnen, Platinen ätzen und eigene Projekte entwerfen. Und wir werden programmieren. Was und in welcher Sprache? Nicht vorgegeben. Das Fach soll eine Einführung in die Welt der logischen Null und Eins sein. Es soll motivieren, sich mit der Programmierung auseinanderzusetzen. Und vor allem soll es zur Selbstständigkeit hin erziehen: In der immer digitaler werdenden Welt sollte man als aufgeklärter Bürger zumindest in Ansätzen verstehen, was ein Programm ist und wie ein Computer funktioniert.

Die Ergebnisse und Fortschritte werden möglicherweise auf diesem Blog sichtbar werden.

Nach vielen Stunden am Computer endlich fertig.